| Märkische Allgemeine 02.11.2009 | ||
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Die Gipfelstürmer Mit Virtuosität und Verve krönten junge Geiger den Meisterkurs von Marianne Boettcher Von Juliane Felsch Sie alle sind noch Studenten, doch sie begeisterten das Publikum in Rheinsberg - die jungen Geiger aus dem Meisterkurs von Marianne Boettcher. Sie ist eine der wichtigsten Violin-Professorinnen in Deutschland. |
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Rheinsberg - Am Ende scheitert der Verstand - und Herz und Seele ergeben sich dem akustischen Rausch. Fünf Studenten hat das Programmheft für die erste Halbzeit auf dem Rheinsberger Schloßtheaterparkett angekündigt. Was dort nicht steht: daß einer den anderen in strahlender Virtuosität und ausgefeilter Technikbrillanz übertreffen wird. Nicht im strengen Sinn: Alle acht Musiker, die an diesem Sonnabendnachmittag vor 80 Zuhörern spielen, können nebeneinander gut bestehen. Doch spätestens mit der Japanerin Hitoe Shimbo, für die das Notenpult weggerückt wird, die als erste auswendig spielt und für ihr romantisches Wieniawski-Konzert Bravo-Rufe erntet - spätestens hier glaubt man als Zuhörer, daß doch mehr gar nicht geht. Immerhin sind es Studenten, die dieses Konzert spielen - und nicht hochdotierte Solisten. Aber: es geht noch mehr. Daß das so ist und es die Rheinsberger Zuhörer beim Auftritt des jungen Russen David Malaev mit Ravels "Tzigane" dann kaum noch auf den Stühlen hält ist Marianne Boettcher zu verdanken. Vergangenen Dienstag reiste sie mit ihrer, für den Meisterkurs auserwählten Schar nach Rheinsberg, um diese fünf Tage das musikalische Gipfelstürmen zu lehren. Wie kaum eine andere Violinsolistin und -pädagigin Deutschlads vermag sie, diese Fähigkeit an ihre Studenten weiterzugeben. Boettchers Repertoire-Liste ist lückenlos. Zwischen Meisterkursen in Österreich und Rheinsberg bringt sie Schloßkonzerte in Bayern und Musikprojekte auf der Nordseeinsel Pellworm unter. Beim Rheinsberger Abschlußkonzert ihres jüngsten Konzertes verschwindet sie fast unter den Zuhörern. Sie sitzt nicht da, wo andere sie sehen können, sondern dort, wo sie sehen kann: |
ihre kunstfertigen Schüler wie David Malaev, der 15-Jährige besucht das Julius-Stern-Institut für Hochbegabte in Berlin. Es ist das direkte Sprungbrett zur Universität der Künste.
Man ahnt es schon jetzt: Professoren werden es einmal schwer haben, das Wunderkind von ihren Ideen und Interpretationen zu überzeugen. David Malaev ist der Charismatischste des Konzerts. Das weiß er und grinst, als er entschlossenen Schrittes den letzten Akt vor der Pause eröffnet. Das Faszinierende seines Spiels: Kein Ton des mit technischen Rafinessen gespickten Ravel-Stücks klingt, als hätte man diese ihm erst erklären müssen. David hat die Musik selbst voll begriffen, doch spielt sie sich weder nur in seinem Kopf noch allein in seinen energisch arbeitenden Armen ab. Er läßt sie in allen Regionen seines Körpers erklingen - furios und weise. |
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