| Weser Kurier 28.03.2006 | |
|
Ohrenschmaus und Wohlfühlgarantie im Rathaus Bach-Trio Berlin begeistert Oytener Publikum mit Sonaten |
|
Von unserem Mitarbeiter Hans-Dieter Mahlstedt Oyten. Ein erster milder Frühlingsabend und dazu Musik von Johann Sebastian Bach und Sohn Carl Philipp Emanuel: Das versprach am Sonntag Ohrenschmaus mit Wohlfühlgarantie im Oytener Rathaussaal. Als dann zu Konzertbeginn mit dem Adagio der Sonate G-Dur für Flöte, Violine und Cembalo von Johann Sebastian Bach das Licht der Abenddämmerung in den Saal fiel, war der barocke Hochgenuß perfekt. Verantwortlich für diese musikalischen Frühlingsgefühle war das "Bach-Trio Berlin", das auf Einladung der Musikfreunde Oyten mit einem bunten Sonaten-Medley aus dem Hause Bach angereist war. Franziska von Brück (Flöte), Marianne Boettcher (Violine) und Armin Thalheim brillierten mit Sonaten und Triosonaten von Vater und Sohn. Von Johann Sebastian Bach selbst sind nur wenige Sonaten dieser Art überliefert, obwohl die Triosonate im Spätbarock die verbreiteste Gattung weltlicher und kirchlicher Instrumentalmusik darstellte. Zweifelsfrei ihm zu geschrieben ist die Sonate G-Dur für Flöte, Violine und Cembalo, BWV 1039. Hier entfalteten die Musiker mit den beiden gleichberechtigten Melodieinstrumenten und dem warmen Baß des Cembalos im Hintergrund den ganzen kunstvollen Teppich Bachscher Sonatenkunst. |
Einem schwelgerischen Andante mit den gleitenden Melodiebögen der Violine folgten ein wunderbar betontes Allegro und ein Adagio, das seine Spannung aus einem ganz zurückgenommenen Cembalospiel bezog. Im abschließenden Allegro moderato dann nahm das Tasteninstrument tonangebende Fahrt auf und führte Violine und Flöte zum furiosen Schluß.
Jede Menge Raum für die Demonstration instrumentaler Könnerschaft boten auch die Sonaten des Sohnes Carl Philipp Emanuel Bach. In dessen ersten Triosonaten ist die Hilfestellung des Vaters noch spürbar. Der Komponist, bei dessen Geburt im Jahre 1714 Vater Johann Sebastian Bach 29 Jahre alt war, befreite sich aber zunehmend vom väterlichen Einfluß. Carl Philipp Emanuel Bach wirkte in die Zeit der Vorklassik und die musikalische Vorromantik mit ihrem Gebot tief empfundenen Ausdrucks hinein. Dieser Anspruch gab dem fulminanten Trio insbesondere in der abschließenden Sonate G-Dur für Flöte, Violine und Cembalo poch einmal die Bühne für die ganz großen Gefühle: der warme, ausgewogene Geigenton von Marianne Böttcher und die feinen kristallinen Flötentöne von Franziska von Brück verbanden sich mit den ostinaten Beschwörungen des Cembalos zu~inem außerordentlichen musikalischen Erlebnis. |
|
|