| Ruhrnachrichten - Dortmunder Kultur vom 01.09.2003 |
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"Frei aber einsam" im Salon der Romantik Kammerkonzert im Westfalenpark "Frei, aber einsam" wollten einige Komponisten der Romantik sein. Deshalb hat Brahms zusammen mit Schumann die Sonate "FAE" ("Frei, aber einsam") geschrieben. Dabei war das Leben in den Salons des 19. Jahrhunderts durchaus gesellig und meist wenig einsam.
In so einen romantischen Salon entführten die Schwägerinnen, Marianne Boettcher (Violine) und Ursula Trede-Boettcher (Klavier) am Samstagabend im Sonnenenergieforum. Das Kammerkonzert war Auftakt zu einer neuen Konzertreihe, die das Kulturbüro dort einrichten will. Ein perfekt eingespieltes Duo sind die Berlinerinnen. Eine ganz ähnliche Art zu phrasieren haben beide, sie lassen die Musik auf die gleiche Art atmen und beide stellten auch in den virtuoseren Werken des Programms mehr die großen romantischen Gefühle der Musik als klingende Brillanz in den Vordergrund. Mit energischem Ton breitete Marianne Boettcher das Scherzo aus Brahms' "FAE"-Sonate aus, rückte den Satz mit subtil abgestuften Zwischentönen fast in die Nähe von impressionistischer Spätromantik. Seele hat der Violinton der Berliner Professorin, an deren Spiel die große, abgeklärte Reife besticht. |
In der Romanze von Clara Schumann und auch im Nocturne von Lili Boulanger fühlte sie sich mit fein schattierten Tönen in das zarte Gewebe dieser eleganten Salonmusik ein. Schuberts Musik stehen die beiden Berlinerinnen besonders nahe - als Duopartnerin von Roland Pröll hat Marianne Boettcher schon 1989 einen Teil des Rahmenprogramms vom 2. Schubert-Wettbewerb gestaltet. Vom erzählenden Parlando-Ton lebte die Interpretation von Schuberts A-Dur-Sonate. Mit einem drängend-impulsiven Spiel zeigten beide, daß diese Hausmusik, als die Schubert seine Violinsonaten verstanden hat, auch große konzertante Qualitäten hat. Natürlich nutzten auch die Virtuosen im 19. Jahrhundert die Chance, das Publikum in den Salons mit Bravour zu begeistern. Manchmal auf verkappte Art wie Luise Adolpha le Beau in ihrer Romanze, manchmal mit Charme, wie Fritz Kreisler in seinen Canzonen. Mit einem Pizzicato-Feuerwerk im Scherzo von Tschaikowsky, klingender böhmischer Bravour in Sméatanas Fantasie "Aus der Heimat" und zwei rasanten rumänischen Volkstänzen von Bartòk als Zugabe weckten dann die Berlinerinnen genauso viel Begeisterung beim Dortmunder Publikum wie die Virtuosen vor 100 Jahren in den Plüschsalons. JG |
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